die ÖVP scheint wiedermal zurück in ihrem selbstzerstörerischen Mechanismus zu verfallen.
Und was hat das mit der obigen Überschrift zu tun?
Einiges. Die ÖVP will offensichtlich die Jugend für sich gewinnen um Strache das Wasser abzugraben.Das Problem der ÖVP dabei ist, dass sich meiner Meinung nach damit regelmäßig bis auf die Knochen blamiert. (Wenn man sich die anderen Parteien ansieht - ist es dort aber auch nicht viel anders)
Ich fand es schon im oberösterreichischen Wahlkampf ziemlich peinlich, dass der Landespepi Landeshauptmann Dr. Josef Pühringer und der Mitterlehner (der Wirtschaftsminister - übrigens ein Mühlviertler so wie ich) ins Empire, einer Disco in St. Martin (Bezirk Rohrbach) gingen. Mit 16 Jahren wär ich dort nicht aufgekreuzt wegen die beiden oder irgend eines anderen Politikers einer anderen Coleur. Ich hätte das damals schlicht und einfach als Anbiederei und Stimmenfängerei gedeutet - was es letztlich auch war (Wahlkampf). Ehrlich- was soll ich mit dem Wirtschaftsminister in der Disco reden - über Energiepolitik vielleicht? Dann lieber bei einer Podiumsdiskussion. Und das obwohl ich eigentlich schon immer an der Politik interessiert war.
Nun diesmal probiert die Volkspartei es mit einem Art Casting zum Superpraktikanten beim Finanzminister Pröll - was urvollmegapeinlich ist um in dem Jargon zu bleiben, den die ÖVP für die heutige Jugendsprache hält. Als Juroren neben den Pröll sind zu erwarten Red.: von Heute und KroneHit sowie ATV. Das Praktikum dauert eine Woche. also da lernt man schon sehr viel in einer Woche - z.B. wie Josef Pröll den Kaffee am liebsten mag - das kann einem ja später mal helfen will man später mal im Bundeskanzleramt oder in der Privatwirtschaft arbeiten. Es ist unbezahlt, weil da lernt man was fürs Leben - stimmt, Kaffee machen könnte ich wirklich noch lernen. Aber dafür bekommt man noch eine Woche Urlaub. Zwei Fragen stellen sich dann noch: 1.) Wohin - Radlurlaub in Radlbrunn? und 2.) Ist der Pröll so nervig, dass man gleich eine Woche Urlaub braucht?
Im Ernst: Die Zeiten haben sich geändert. Man kann noch soviele Praktika im Lebenslauf stehen haben - aber das hilft keine Spur bei der Jobsuche - und wenn dann nur fachspezifische. Und die Praktika an meiner HBLA haben bei den bisherigen Vorstellungsgespräche eigentlich immer für Verwunderung gesorgt. Berufspraktikum lernt man aber auch nur oberflächlich. Wobei ich das Glück hatte, dass ich an meinen Praktikumsplätzen nie für das Kaffee machen zuständig war. Im Gegenteil ich war eher daran beteiligt an der Kaffeemilchproduktion - und der Kuchen bzw. Kanelbullarproduktion damit der Kaffee nicht so trocken ist. Im übrigen ist Praktikumsplatzsuche ist nicht einfach. Das habe ich vor allem bei der Suche für das Berufspraktikum an der FH gemerkt. Und schon in diesem Stadium hat man das Gefühl - dass die menschen die Vitamin B haben besser vorankommen.
Wenn man fertig ist von der Lehre/höheren Schule/Studium sucht man wie verzweifelt eine Stelle. Eine richtige Arbeitsstelle und nicht noch ein Praktikum für geringen oder gar um Gotteslohn. Als junge Arbeitnehmerin will ich arbeiten - aber nicht umsonst. Gott sei Dank darf ich das ja. Ja, ich will meinen Beitrag für die Gesellschaft leisten wie andere auch - aber ich habe das Gefühl als junge Arbeitnehmer ist die Chance sehr gering einen fixen Arbeitsplatz zu bekommen. Und ich mag die Ausreden nicht mehr hören wie diese hier: "in Zeiten wie diesen, müssen wir umstrukturieren". Vor allem empört mich das, wenn ich in manchen Bereich sehe wie die Leute rotieren wegen der Mehrarbeit - weil Posten eingespart wurden und die anderen beim AMS um Geld anstehen müssen. und dann gibt es noch die Möglichkeit dass wo Mängel sind - wie bei den IT-Leuten. Zumindest hat vor paar Wochen der Wirtschaftskammerpräsident von Oberösterreich - Rudolf Trauner das Fehlen von 600 ITlern beklagt. Da stellt sich schon die Frage, soll man sich umlernen lassen und hat man dann Chancen oder ist man den Arbeitgebern dann zu blöd, weil man eine andere Ausbildung hat und das alles erst lernen muss? Oder machen das alle und dann schaut man wieder durch die Finger?
Wenn die ÖVP und die anderen Parteien wirklich was für die jungen Leute wie mich etwas tun wollen, dann soll sie schauen - dass die Betriebe Unterstützung bekommen um Leute aufzunehmen und denen Verträge gibt - dass geschieht dadurch dass die Wirtschaft Aufträge bekommt. Die Politik soll dafür die Rahmenbedingungen schaffen - wie es ihre eigentliche Aufgabe wäre. Und wenn sie schon den Bolognaprozesse eingeführt haben, hätte mehr Information für die Öffentlichkeit gut getan. Ich muss oft genug noch erklären, was das BA hinter meinen Namen bedeutet. Und ja, ich habe desöfteren das Gefühl, dass Arbeitgeber mit diesem Titel nix anzufangen wissen. Und wenn die Leute gut ausgebildet werden sollen, sollens vor allem Geld für die Bildung lockermachen. Und zwar schon von der Volksschule an. Mehr Lehrer, die hauptsächlich lehren. oder was mir am Herzen liegt: besser ausgestattete Bibliotheken. Um das ganze kosteneffektiver zu machen sollen die besser ausgestatteten Bibliotheken von fliegenden Bibliothekarinnen betreut werden. D.H.: dass z.B.: eine Bibliothekarin für 2-3 Schulen für die ganze Bibliothekarische Arbeit zuständig ist wie die Erwerbung, Katalogisierung ist und die Lehrer höchstens für die Ausleihe. Z.B. 2 Tage soll die Bibliothekarin an einer Schule sein und die anderen 2 an der anderen.
Die Frau Gabi Burgstaller aus Salzburg, ja die sozialdemokratische Landeshauptfrau von Salzburg, will übrigens frustrierte Lehrer und Lehrerinnen als Schulbibliothekare einsetzen. Da gehen die Kinder sicher voll gern in die Bibliothek. OK: Ich habs verstanden, um meinen erlernten Beruf auszuüben - hätte ich einen ganz anderen Bildungsweg einschlagen sollen. Ich hätte Lehramt oder eine pädagogische Hochschule machen sollen, mich dann von Gfraster, Gschroppn und Rotzpippn frustrieren lassen und dann darf ich nach diesem Modell endlich den Beruf ausüben - den ich jetzt habe - Bibliothekarin.
zum Abschluss noch ein Bericht aus der Zeit von 4 Jahren, der meiner Meinung nach wahrscheinlich noch immer höchstaktuell ist zum Thema Generation Praktikum.
Zur Klarstellung: Ich hab für alle meine Praktika Geld bekommen (die meisten auch sehr großzügig) und nicht nur das sondern auch Erfahrungen gesammelt und Erkenntnisse bekommen. Nur jetzt wo ich schon im Arbeitsleben bin, will ich jetzt eher kein unbezahltes Praktikum (außer im Rahmen einer weiteren Ausbildung) mehr machen. Immerhin hab ich gelesen, dass das eher kontraproduktiv sein soll - da dass als unstet oder gar als unseriös ausgelegt wird.
und ich lege es für sehr unseriös oder als Verzweiflungsakt aus, wenn eine staatstragende Partei eine volksverdummende Castingshow macht, wo der Preis über kurz oder lang nix wert ist. Dann ist diese Partei wahrscheinlich auch nicht besser wie die andere Parteien:
wie die die einen Toten nachtrauern und glauben mit ihm jeden Wahlkampf zu gewinnen und der Versuch liberal zu sein daran scheitert weil diese Partei eher autoritär funktioniert.
wie die die Pamphlethefterl als Bildung ansehen und mit extremistischen Aussagen und Taten permanent Tabubruch begehen und das immer wieder machen und jedes mal tiefer wird
wie die die vor lauter diskutieren von Formalitäten, am Ziel vorbeischießen und vor politischer Korrektheit an den Lebensrealitäten vorbeischrammen und ihren Gegnern das Feld überlassen
die sich die Parteilinie von der größten Zeitung aufdiktieren lassen, wo das Parteiwohl vor dem Wohl des Staates geht und lieber den Staat und die Ämter beschädigt werden um an der Macht zu bleiben
Update: lesenswerter Blogeintrag von Gerald Bäck zu dieser ÖVP-Aktion

Ich halt mich da jetzt mit einem Kommentar zurück. Und zwar deshalb, weil mich das angebotene Pröll-Praktikum derartig verärgert, dass ich knapp daran bin ausfällig zu werden. Reinste Augenauswischerei, Populismus und Peinlichkeit ist das.